Erfolgreiches Äschenprojekt beim FV Werdenberg

Die Situation der Rheintaler Äsche verschlechterte sich in den letzten Jahren massiv, da durch das Besatzverbot mit Regenbogenforellen der Befischungsdruck auf sie abgewälzt wurde. Verbessertes Fischereigerät steigerte zusätzlich auch die Chance weniger versierter Fischer, einen dieser schönen Fische zu fangen. Eine Reduktion des Tagesfanges für Tagespatente auf zwei Fische und eine Erhöhung des Schonmasses auf 38 cm waren die notwendigen Änderungen im Reglement des FV Werdenberg, um die Laichfische etwas besser zu schonen.

Um die einheimische Äsche durch Nachzucht zu retten, geschah in den letzten Jahren im Rheintal herzlich wenig. Die Situation bzgl. ausreichendem Eimaterial und Jungfischen vom Seerhein wurde aufgrund der Kormoraneinfälle immer prekärer. Die Fachstellen zeigten kein Interesse daran, die heimische Äschenpopulation durch zu retten und sie nachzuzüchten. Waren Fische zu bekommen, so wurde meist Brut zum Besatz verwendet, die jedoch in den Rheintaler Talgewässern fast keine Überlebenschance hat.

In Eigeninitiative versuchte der Fischereiverein Werdenberg, das Problem in den Griff zu bekommen. Über Kontakte des IKFA Präsidenten Günter Feuerstein zu einem Tiroler Äschenfachmann wurde eine arlbergübergreifende Zusammenarbeit gestartet. Die Gewässerwarte Pips Lippuner und Willi Stieger reisten daraufhin nach Tirol, um von Hanjörg Brugger persönlich in das Geheimnis der Äschenaufzucht vom Streifen bis zur Aufzucht der Äschenbrut eingeweiht zu werden. Im Gegensatz zu anderen Züchtern verwendet Hansjörg Brugger handelsübliches, jedoch nachbearbeitetes Trockenfutter mit grossem Erfolg. Sein grosses Wissen um die Eigenheiten der Äsche und wochenlange Beobachtungen der Larven halfen ihm dabei. „Es kommt nur auf das wie an", meint Brugger zum Thema. Die mühsame Planktonbeschaffung fällt somit weg.

Im April schritt man beim FV Werdenberg dann zur Tat. Gemeinsam mit dem Kantonalen Fischereiaufseher Fredi Fehr wurden Laichfische elektrisch abgefischt und gestreift. Zudem wurden noch weitere Eier zugekauft.


AE-Elterntiere

Nachdem diese in Zugergläsern untergebracht wurden, warteten Pips und Willi geduldig auf das Ergebnis. Dann war es endlich soweit. Die Äschen schlüpften. Nun war nur noch die Frage, ob die Larven das Futter auch annehmen würden. Sie taten es, und so konnten am „Tag der offenen Tür" in der Werdenberger Fischzucht die ersten Werdenberger Jungäschen bestaunt werden. In den Aufzuchtgräben in denen durch besondere Maßnahmen Naturnahrung herangezüchtet wurde, wuchsen die Fische gut ab. Ein Teil von ihnen wurde vom Kanton zum Besatz in den Alpenrhein angekauft und bereits eingesetzt. Der Rest ist für den Binnenkanal bestimmt. Die Äschen sind nun gross genug, um sich in der Natur behaupten zu können.

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Die Erkenntnisse, die bei diesem ersten Versuch gewonnen wurden, sollen dazu genützt werden, das Ergebnis in den nächsten Jahren noch zu verbessern, um vielleicht einmal das ganze Rheintal mit heimischen Äschen versorgen zu können. Dieses Beispiel soll auch anderen Fischereivereinen dazu animieren, eigene Wege zu gehen, um die heimischen Fischbestände zu erhalten.

 

Inzwischen, 4 Jahre später, ist der FV Werdenberg um einige Erfahrungen reicher und kann auf eine gute Produktion von Äschensömmerlingen zurückgreifen. Wenn der Schutz für die Mutterfische durch Abwehr der immer dreisteren, bald handzahmen  Fischreihern durchgesetzt werden kann, wird die Äsche wieder bald in ähnlich grosser Zahl wie früher die Gewässer besiedeln. Allerdings sind dazu jedes Jahr gewaltige Anstrengungen der Bewirtschafter und Züchter notwendig. Erst wenn die Kanäle grossräumig revitalisiert sind, wird sich die Äschenpopulation selbst erhalten können. Bis dahin dürfte den Rheintaler Äschen jedoch noch ein langer und steiniger Weg bevorstehen.