Hochkarätige Referenten in Vaduz

 

Am Freitag den 30. November 2007 lud die Internationale Konferenz der Fischereivereine am Alpenrhein(IKFA) einmal mehr zu einem Vortragsabend ein. Zahlreiche Interessierte aus allen Teilen des Kantons SG, aus Lichtenstein aber auch aus dem benachbarten Vorarlberg fanden sich dazu im Kellertheater in Vaduz ein. IKFA Präsident Günter Feuerstein konnte einmal mehr zwei bekannte Schweizer Wissenschaftler dazu gewinnen, über aktuelle Themen zu referierten. Der Fischereiverband des Kantons SG beteiligte sich finanziell ebenfalls an der Unterstützung des informativen Abends.

 

Für Äschen fehlen meist die Larven- und Junfischlebensräume

Dr. Andreas Hertig ist Fischereiadjunkt des Kantons Zürich präsentierte seine Erfahrungen mit der Naturverlaichung der Äsche, die er am Linthkanal zwischen Walen- und Zürichsee gewonnen hatte. Dabei betonte er, dass besonders die Larvenlebensräume von großer Bedeutung seien, da diese an vielen Gewässern, besonders aber an Kanälen, weitgehend fehlen und somit die Larven verdriftet werden oder verenden, da sie sehr schlechte Schwimmer sind. Er wies darauf hin, dass nur zielgerichtete Revitalisierungen diesem Problem wirkungsvoll entgegenwirken können und zeigte dies anschaulich an verschiedenen Beispielen auf. Im Falle dass solche Strukturverbesserungen nicht umzusetzen wären, müssten dementsprechend ältere Besatzfische verwendet werden, für die das zur Verfügung stehende Biotop noch geeignet sei. Interessant war für die Anwesenden auch die Tatsache, dass die Äschen an anderen Gewässern der Schweiz offensichtlich wesentlich schneller wachsen als in den relativ kühlen Kanälen des Rheintals. Eineinhalbjährige Äschen haben am Linthkanal schon über 30 cm Länge aufzuweisen. Dem Alpenrhein stellte Dr. Hertig aufgrund des Schwalls ein sehr schlechtes Zeugnis aus und bezeichnete diesen in Bezug auf Äschenverlaichung als ein totes Gewässer.(Referat PDF)

 

Vögel fressen über 80% der Fische

Schockierende Statistiken präsentierte Dr. Escher in seinem Referat Gänsesäger, Graureiher und Kormoran aus der Fischperspektive. Seit zwanzig Jahren nehmen die Anglerfänge in der Schweiz kontinuierlich ab, und viele Wissenschaftler sind hierzulande auf der Suche nach den vielfältigen Gründen dieses Fangrückganges. Dr. Escher hat hier eine sehr klare Sicht der Dinge. Der wohl grösste Teil dieses Rückganges sei auf den Frassdruck durch Gänsesäger, Fischreiher und Kormorane zurückzuführen. Die präsentierten Zahlen stammten alle von der Vogelwarte Sempbach. Sie belegen, dass gesamtschweizerisch an den kleinen und mittelgrossen Gewässern der Anteil der Angler am Gesamtausfang an Fischen inzwischen weit unter 20% liegt, während über 80 % der Fische dieser Gewässer von den Vögeln entnommen würden. Vor 30 Jahren, als die Anzahl der Vögel entsprechend geringer war, war es genau umgekehrt.

Am Fallbeisbiel der Schüss konnte Dr. Escher auch aufzeigen, dass der Graureiher allgemein vollkommen unterschätzt worden und derzeit der wohl grösste Fischprädator der Schweiz ist. Der Graureiherfrass in den Gewässern der Schweiz entspräche derzeit in etwa der Entnahmemenge aller Berufsfischer an den Schweizer Seen. Besonders die während der Laichzeit unvorsichtigen Forellen und Äschen sind den Schnabelhieben der Graureiher in den noch verbliebenen Laichgebieten schutzlos ausgeliefert. Auch der Gänsesäger sei bereits ab 0,2 Exemplaren pro Hektar bedenklich und auch hier konnte Dr. Escher aufzeigen, dass Gänsesäger in der Lage sind, Fischpopulationen auszulöschen. Der Grund dafür läge in der fehlenden Mobilität der Fische im Gegensatz zur sehr hohen Mobilität der Vögel. Dadurch könne sich kein Gleichgewicht einstellen, da in den Seen immer noch genügend Fische vorhanden wären. So sind die Flüsse z.B. nie vor einem Einflug von Kormoranen oder Sägern geschützt, da diese praktisch fressen könnten bis nichts mehr da ist und dann wieder in die Seen zurückfliegen können. Die Erkenntnisse von Dr. Escher haben inzwischen auch die  zuständigen Stellen des Bundes wachgerüttelt. Bleibt zu hoffen, dass die Vorschläge des Wissenschaftlers zur Entspannung der Situation an den Schweizer Gewässern auch nach und nach umgesetzt werden. Es sei noch viel zu tun, bis bedrohte Fischarten auch wenn sie keine Federn und keine Stimme haben, in Punkto Schutz auch entsprechende Hilfestellung bekommen. (Referat PDF)

 

Im Anschluss an beide Referate konnte ausführlich mit den Referenten diskutiert werden und wohl manche Unklarheiten, die bis dahin bestanden, konnten geklärt werden. Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung nutzten viele der anwesenden Fischer, Ornithologen und Funktionäre noch die Gelegenheit zum Meinungsaustausch über die Grenzen hinweg. Die IKFA führt diese Referate im Zweijahresturnus durch. Weitere Infos zu anderen Veranstaltungen dieser Art können von der Homepage der IKFA entnommen werden: www.ikfa.net

 

 

 

 

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