IKFA Vortragsabend (Nov. 2002)

Thema: Kormoran
 

Referenten:

Dr. F. Kohl (ÖKF)   und Martin Peter (SFV, Ressort Artenschutz)

v.l.n.r.: Präsident Günter Feuerstein, der Organisator und Vorsitzende der IKFA, neben ihm der Vorarlberger Verbandspräsident Dr. Egon Helbok, die beiden Referenten Dr. Franz Kohl vom ÖKF sowie Martin Peter, Vizepräsident des SFV (Foto: G. Grabher)

 

 

 

 

Ein Artikel zum Vortragsabend von Heinz Schurig
 

Kormoranschäden

Handlungsbedarf der EU dringend notwendig

Ein von der IKFA (Intern. Konferenz der Fischereiver­eine am Alpenrhein) unter Präsident Günter Feuerstein veranstalteter Vortrags­abend mit zwei international bekannten Referenten lockte 50 Fischereifunktionäre aus der Schweiz, Liechtenstein und Vorarl­berg in das neue Fischerei­zentrum nach Hard.

Erster Redner war der mit dem Thema bestens ver­traute Vertreter in der „European Angling Alliance" vom Österreichischen Kuratorium für Fischerei (ÖKF) Dr. Franz Kohl, als zweiter Referent kam der Schweizer Experte Martin Peter, Vizepräsident des Schweizer Fischereiver­bandes und Ressortleiter für Artenschutz, zu Wort.

 Explosionsartige Vermehrung

Ausgehend von der vor 150 Jahren eingesetzten Verbreitung des Kormorans in Europa zeigte Dr. Kohl die rasche Entwicklung dieses zum Schädling ge­wordenen fremden Vogels auf, der mindestens 25 Jahre alt wer­den und bis zu 10 Nachkommen hervorbringen kann (1970 in Europa 10.000 Brutvögel, 1999 über 900.000!). Die von Vogelschützern evtl. noch akzeptierte Vertreibung dieser frem­den „Schädlinge" bringe gar nichts. Vielmehr müssen europaweit Maßnahmen zur Reduzierung der Kormorane getroffen werden. Wenn nicht, dann bleibe in absehbarer Zeit von den Fischen für die menschliche Nutzung nichts mehr übrig.

Drastische Schadensberichte

Wie der Redner mitteilte, war auf der unlängst in Strassburg stattgefundenen Konferenz (200 Teilnehmer aus 20 Nationen) von drastischen Schadensberichten die Rede. Jede Entnahme von 20 - 30 % am Fischbestand durch Kormorane muss als Überfischung angesehen werden. Dabei gab es Meldungen, die von Fraßschäden bis zu 64 % innert vier Wochen berichteten. Entgegen anders lautender Meinung seien in naturbelassenen Gewässern die Schäden nicht viel geringer, zumal dort vermehrt Verluste durch Fischverletzungen hinzukommen. Vom Wertverlust des Fischereirechtes ganz zu schweigen.

Verantwortung trägt die EU

Weil diese explosionsartige Vermehrung, die ausschließlich der EU zuzuschreiben ist, zu schweren Fraßschäden in den europäischen Gewässern und vor allem in vielen Fischzuchtanstalten geführt hat, wäre es jetzt an der Zeit, dass die EU eine wirkungsvolle gemeinsame Lösung verordnen sollte. (Im Jänner 2003 werde erstmals eine gesamteuropäische Synchronsitzung über den Winterbestand des Kormorans durchgeführt).

Die Situation des Kormorans in unserem Nachbarland Schweiz, vermittelte der Vizepräsident des SFV Martin Peter. Generell ist in der Schweiz der Kormoran vom 1.9. bis 31.1. jagdbar. Nicht Eingreifgebiet sind Seen mit über 50 Hektar sowie Fluss-Staue. Ausnahmen: Wenn Kormorane übermäßige Schäden verursachen, dann dürfen sie abgeschossen werden. Abschüsse können auch erfolgen, wenn gefährdete Fischarten betroffen sind. Eine Vertreibung der Vögel an Fließgewässern brachte nur eine bescheidene Schadensverringerung von 16 - 25 %. Grundsätzlich gilt in der Schweiz, „dass der Schutz des Kormorans keinen Vorrang vor dem Fischartenschutz hat!". In Liechtenstein dürfen Kormoranabschüsse nur mit Zustimmung des Amtes für Gewässer- bzw. Naturschutz erfolgen. 

In der anschließenden Diskussion kamen auch Berufsfischer zu Wort, die vor Augen führten, wie im Naturschutzgebiet „Rheindelta" die Vögel unbehelligt ihr „Unwesen" in den besten Laichgebieten der Fische treiben dürfen.

Heinz Schurig

          

 

 

 

Gewässerschutz contra Kormoran? (von Siegmar Schneider)

Die Kormoranproblematik bewegt derzeit wie nahezu kein anderes Thema die Gemüter der Fischer in unserem Ländle. Ein stetiges Zunehmen der Population dieses seit je her ungeliebten Zeitgenossen zwingt die Petrijünger zum Handeln!

Zählte der Phalacrocorax carbo (kurz Kormoran genannt) am Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts mit gerade nochmals 25.000 Exemplaren weltweit zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies, so ist er mittlerweile in vielen Teilen Europas zur Plage geworden. Anfang dieses Jahrtausends bevölkert wieder nahezu 1Million Exemplare die Erdkugel. Davon leben immerhin rund 300.000 im kleinsten und am stärksten vom Menschen beeinflussten Kontinent Europa! (Quelle: Waterfowl Population Estimates - Second Edition 1997) Die Aufgliederung der Spezies in verschiedene Unterarten spielt bei dieser Betrachtung nur insofern eine Rolle, als dass Ornithologen bei einzelnen Unterspezies mit geringeren Zahlen den weiterhin notwendigen Schutz dieser Vögel argumentieren.

Gerade in Europa haben bedrohte Fischarten nicht nur mit verschlechterten Lebensbedingungen (Kraftwerke, Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung) in ihren angestammten Lebensräumen zu kämpfen - auch die überdimensional große Zahl der "luftigen Jäger", deren Jagdreviere sich heute auf einen Bruchteil der - vor hundert Jahren noch vorhandenen intakten - Gewässersysteme beschränken, stellen eine zunehmende Gefahr für die Fische und somit für das gesamte Ökosystem unter Wasser dar.

Aussagen von Ornithologen, wonach Fischer für den Schwund des Fischbestandes in unseren Gewässern verantwortlich zeichnen, sind für Fachkundige kein Thema, zumal gerade jene Fischarten am stärksten bedroht sind, die wirtschaftlich keinen oder nur geringen Nutzen darstellen und somit weder befischt noch besetzt werden. Wirtschaftlich bedeutende Fischarten sind aufgrund intensiver Besatzmaßnahmen der Bewirtschafter in einer besseren Situation. Fragt sich nur wie lange die Fischer bereit sind, die sehr kostenintensiven "Fütterungsaktionen für Kormorane" durchzuführen und den fischereiwirtschaftlichen Schaden, der durch die Vögel verursacht wird, alleine zu tragen.

So wie extreme Fischer damals die beinahe Ausrottung der Kormorane zu verantworten hatten, sind es heute erneut fundamentalistische Fehleinschätzungen des Menschen, welche für die extreme Zunahme der Kormoranbestände und somit für das Aussterben verschiedener Fischarten verantwortlich zeichnen werden, wenn nicht bald Einhalt geboten wird.

Unser wertvollstes Gut, das Wasser schlechthin, verdankt den mittlerweile wieder guten Zustand zu einem beträchtlichen Teil den Fischern und ihren Bemühungen um das lebensnotwendige Element. Umso verständlicher scheint es, dass sich die Fischer vehement gegen einen weiteren uneingeschränkten Schutz dieser Vögel stark machen.

Bedrohte Tierarten zu schützen, ist in einer Zeit, in welcher der Mensch die Natur so sehr in die Enge treibt - wie dies heute geschieht -, eine wichtige Aufgabe der Legistik. Dass die Natur aber nicht nur aus Vögeln besteht, müssen manche der selbsternannten Naturschützer erst lernen. Auch das Leben unterhalb der Wasseroberfläche ist ein Teil der Natur! Der Kampf der Fischer für intakte Gewässer-systeme wird durch Bestimmungen, wie sie in der Vogelschutzrichtlinie der EU verankert sind, zur Ironie!

Gerade in unserem kleinen Land Vorarlberg spitzt sich diese Problematik extrem zu. Eines der größten Naturschutzgebiete Europas und vorgeschlagenes Natura 2000 - Gebiet, das Rheindelta, und der damit verbundene uneingeschränkte Schutz fischfressender Vögel setzt unseren Gewässern enorm zu. Brutkolonien von Kormoranen in der Fussacher Bucht haben nicht nur für den Bodensee verheerende Wirkung. Auch die landesweiten Fließgewässer werden mittlerweile von den "am Bodensee stationierten Abfangjägern" regelmäßig heimgesucht. Aus Sicht der Fischer ist es auf alle Fälle zu verhindern, dass der Kormoran in Vorarlberg "eingebürgert" wird und sich in unserem Ländle uneingeschränkt vermehren darf! Bemühungen des Fischereiverbandes dieser Situation Einhalt zu gebieten, wurden von den zuständigen Behördenvertretern unterstützt und in dem gemäß Vogelschutzrichtlinie akzeptierten Rahmen zugelassen.

Dass diese von der Behörde genehmigten Vergrämungsmaßnahmen kein verhältnismäßiges Mittel darstellen, der Situation Herr zu werden, wird - so ist zu hoffen - nicht nur von den zuständigen lokalen Behörden, sondern auch von den Europapolitikern erkannt werden. Ein intaktes Ökosystem kennt keine Landesgrenzen! Europa ist gefordert, Maßnahmen zu setzen. Und somit sind auch unsere Europaparlamentarier gefordert, jene Verantwortung zu übernehmen, die Österreich als Teil des vereinten demokratischen Europa einnimmt.

Es ist den Fischern weder möglich, noch ist es ihnen auf Dauer zu zumuten, täglich mehrmals zum Wohle der gesamten Bevölkerung an ihren Gewässern die "bösen Vergrämer" zu spielen und dafür Sorge zu tragen, dass unsere Gewässer auch in Zukunft den wertvollsten Bodenschatz unserer Landes darstellen.

Schneider Siegmar, 
Vizepräsident des Fischereiverbandes für das Land Vorarlberg

 

SCHÄTZUNG GESAMTBESTAND DURCH ÖKF (1999) (Westeuropäische Phalacrocorax Carbo Sinensis - Population / Herbstbestand)

Zur Verfügung gestellt von Herrn Dr. F. Kohl vom österreichischen Kuratorium für Fischerei

 

Abschüsse im Naturschutzgebiet: Kormoran nein - Rostgans ja?

 

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